Donnerstag, 07.08.2014

Sag zum Abschied leise Adios...

Der letzte Abend in Argentinien, in Buenos Aires. Nach dem Besuch meines frisch gekürten Lieblingsrestaurant (darf man das nach zwei Besuchen schon sagen?) liege ich satt, zufrieden und nachdenklich, mit einem Hauch Melancholie auf dem Bett meines Hotelzimmers und lasse die letzten dreieinhalb Wochen noch einmal an mir vorüberziehen…

Im Rückblick erscheint die Zeit immer so kurz - verflogen, zerronnen, pulverisiert. Was am Anfang noch so ewig erschien, ist zu einem scheinbar kurzen Zeitintervall geschmolzen, das wie im Fluge verging… Nimmt man sich jedoch die Zeit, zu erinnern, bekommt die Vergangenheit Substanz und Volumen, Gewicht und Bedeutung. Und immer mehr Erlebnisse und auch Kleinigkeiten und scheinbar Unbedeutendes formen das Vergangene zu etwas großem Ganzen, weben einen roten Faden, schaffen etwas, das bleibt…

La Boca, San Telmo, Engel und Tango, ohrenbetäubendes Verkehrschaos in Buenos Aires - nette Kirchen und vernachlässigte Parks im Toastbrotbombardement von Cordoba - der schneebedeckte Aconcagua über breiten Platanengesäumten und weingetränkten Boulevards in Mendoza - La Rioja und die "alles geht irgendwie" Tour nach Talampaya - Salta "La Linda", das Tor in die Anden - wer kippt mehr herunter, Lee aus Liverpool (in Bier) oder die Fälle von Iguazu (in Wasser) ??? - haben die Urus einen Komplex oder sind die nur so, oder bin ich nur so??? …Hm… - Buenos dias Buenos Aires (der Kreis schließt sich) …

...Aber es stellen sich auch Fragen: Bin ICH eigentlich noch ICH, wenn ich mehr als mein Eigengewicht an Rindfleisch verdrückt habe? Bestehe ich dann noch aus Eigen- oder nur noch aus Fremdgewicht? Bin ich jetzt eigentlich ein totales Rindvieh?...

Ich blicke auf eine unvergessliche Zeit zurück, in einem wunderbaren, wunderschönen und landschaftlich so unverwechselbaren und vielfältigen Land. Und dennoch habe ich nur einen kleinen Teil gesehen, habe nur ein bisschen an der Oberfläche gekratzt. Zu wenig um mir ein umfassendes Urteil über Land und Leute bilden zu können. Und dennoch habe ich die Menschen hier als sehr offen, freundlich und aufgeschlossen schätzen gelernt, habe mich sehr wohl gefühlt und sage zum Abschied leise - adios… (oder hasta luego???)

p.s. Vielleicht habe ich ja auch schon ein Ziel für das nächsten Jahr gefunden… da gibt’s dann bestimmt auch mein Lieblingsbier :)))

    

 

Mittwoch, 06.08.2014

Noch kurz in Montevideo

Meine letzte Station vor der Rückkehr nach Buenos Aires und dem Rückflug nach Europa führte mich nach Montevideo, auf die andere Seite des Rio de la Plata. Die Hauptstadt Uruguays ist mit 1 Million Einwohnern im Vergleich zur Metropole auf der anderen Seite des Flusses doch überschaubarer. Die ciudad vieja (Altstadt), auf einer Halbinsel gelegen, hat das Zeug ein echtes Juwel zu werden. In den Fußgängerzonen und um die vielen Plazas reihen sich zahlreiche Gebäude mit Fotopotential - von Kolonial- bis Jugendstil. An zahlreichen Kreuzungen öffnet sich der Blick zum Fluss oder zum Hafen. Allerdings träumen die vielen alten Häuser rund um den Hafen und die Markthalle (in der man hervorragend essen kann) einen Dornröschentraum und zerfallen dabei allmählich. Einige Pioniere haben jedoch bereits das Viertel entdeckt und Galerien, Antiquariate und Cafes eröffnet. Der Rest des Viertels wartet noch darauf, dass man es wachküsst. Allerdings hat man als Tourist in den Seitenstraßen und mit Einbruch der Dunkelheit auch nicht wirklich das Gefühl sicher zu sein…

Durchquert man das moderne Einkaufs- und Geschäftszentrum in Richtung Westen, erreicht man das gutsituierte Viertel Pocitos mit der Playa Pocitos, dem schönen Stadtstrand. Das Wasser hat jedoch auch hier noch die gewöhnungsbedürftige, charakteristische Braunfärbung des Rio de la Plata.

Der Weg nach Pocitos lässt sich wunderbar mit dem Linienbus bewältigen. Die Fahrt wird ein Erlebnis, wenn man dem Fahrgeldkassierer, der in jedem Bus mitfährt und seinen eigenen Sitz vorn und hinter dem Fahrer hat, beobachtet. Mit einer Leichtigkeit und Fingerfertigkeit, die einem für mich nicht zu durchschauendem System zu folgen scheint, werden ständig Geldscheine gezählt, geglättet, sortiert, gebündelt, herausgegeben, neu einsortiert, gezählt…und schließlich exakt auf Kante gebracht, in kleinen abgezählten Päckchen in einer Kassette gesichert. Ein Künstler der Herr Kassierer…

Dennoch scheinen mir die Urus ein anderer Schlag Menschen zu sein, als ihre großen Nachbarn im Süden. Sie bestechen eher durch kühle Sachlichkeit - nicht unbedingt unfreundlich aber halt doch ein bisschen schroff und kurz angebunden . Ihnen geht leider so ein bisschen die Herzlichkeit und Offenheit ab, die ich bei den Argentiniern schätzen gelernt habe … Ok, das Urteil ist jetzt nicht repräsentativ. Ich war zwei Tage in Uruguay - und dann auch nur in der Hauptstadt. Aber das ist halt der erste Eindruck…hm…

Keinen Unterschied scheint der Mate-Verbrauch zu machen. Auch die Urus laufen mehrheitlich mit ner Thermokanne unterm Arm und dem Mate-Becher samt kunstvoll verziertem Trinkhalm in der Hand durch den Tag. Na mein Geschmack ist der Mate-Tee nicht .

Aber noch was Gutes zum Schluss - Das Geld gefällt mir deutlich besser - schöne große und bunte Scheine auf gutem Papier und nicht so ne Lappen wie die argentinischen Peso.

 

Sonntag, 03.08.2014

Los Cataratas de Iguazu

Meine Reise geht nun langsam dem Ende entgegen. Und wie sich das so gehört - Das Beste kommt zum Schluss... oder... hintenraus kommts nochmal ganz dicke...

Das letzte Wochenede in Argentinien gehörte dem äußersten Nordosten des Landes - Puerto Iguazu unmittelbar an den Grenzen und im Dreiländereck: Argentinien - Brasilien - Paraguauy. Brasilien und Argentinien teilen sich hier das Unesco-Weltkulturerbe und 7.Weltwunder - die Wasserfälle von Iguazu. 

Als ich Freitagabend in Puerto Iguazu aus dem Flugzeug stieg war sofort zu erkennen, dass sich dieser Landesteil komplett vom Rest des Argentiniens unterscheidet - tropische Vegetation (grün und bunt) und Temperaturen ohne jedoch die unangenehme hohe Luftfeuchtigkeit. Bei 31Grad Tages- und 20Grad Nachttemperatur laufe ich hier endlich auch mal in kurzen Hosen rum - fühlt sich an wie Sommer.

Im Flieger hatte ich Lee aus Liverpool kennengelernt. Und wie es sich standesgemäß für einen Engländer gehört hatte er bei unserem Kennenlernen in der Schlange am Counter auch ne Literflasche Bier in den Hand... Überhaupt hat er ne große Menge weggeschluckt und schien auch sonst nen recht zwielichtigen Background zu haben... Aber er war ganz witzig und wir haben uns gut verstanden.  Er buchte sich auch gleich für 2 Nächte in mein einfaches aber gutes und seeehr preiswertes Hostal ein, so das wir den ersten Ausflug zu den Wasserfällen gemeinsam bestritten.

Am Samsag fuhren wir also mit dem Linienbus über die Grenze um uns die Fälle von der brailianischen Seite aus anzusehen. Dort ersteckt sich der Parque Nacional do Iguazu. Bezahlen ging ganz einfach mit Kreditkarte. Außerdem hatte mir Dominic in Salta noch 27Reals geschenkt, die er nicht mehr brauchte. Nach dem Betreten des Parks wird man von einem Bus an verschiedenen Stops vorbei zum Panoramaweg gefahren. Dort kann man für 1,5km am oberen Rand des Canons entlang entlangspazieren und aus den verschiedensten Perspektiven die unvergleichbare Aussicht auf die Fälle genießen. Der Höhepunkt kommt am "Garganta del Diabolo" wo sich die Wassermassen über 100m in die Tiefe stürzen. Auf einem Steg, der in den Ablauf vor den Fällen gebaut wurde, kommt man den Wassermasssen beängstigend nahe. Ohrenbetäubender Lärm und Spritzwasser machen das Erlebnis perfekt.

   

Mein Sonntagsausflug führte mich in den argentinische Parque National de Iguazu, der die Fälle von der anderen Seite des Rio Iguazu aus erschließt. Leider sind aufgrund frühjährlicher Hochwasser mit einhergehenden Zerstörungen einige Wege zur Zeit gesperrt. So auch das absolute Highlight - der Trail zum Lookout auf die "Garganta del Diabolo". Dennoch bietet der Park eine Vielfalt von Trails und buchbaren Aktivitäten, so dass man wirklich den ganzen Tag dort verbringen kann. Hinter jeder Kurve des Weges eröffnet sich eine ganz neue Perspektive auf die Wasserfälle - einfach unbeschreiblich. Ich habe mir noch ne "Ecologic Tour" dazu gebucht. Man wird mit nem Schlauchboot für ne gute halbe Stunde durch die Wasserläufe oberhalb des Wasserfalls gerudert, mit der Chance auf Tierbeobachtungen. Neben invasorisch auftretenden Schmetterlingen in allen Farben habe ich zum ersten Mal in freier Wildbahn einen Tukan gesehen, der über unsere Köpfe flog. Zum Foto hats nicht gereicht aber so sieht er aus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Tukane#mediaviewer/Datei:GIPE25_-_Un_Toucan_toco_%28by-sa%29.jpg

Das Adrenalin-Highlight war für mich dann die 15-minütige Fahrt mit dem Motorboot bis direkt ran an die Fälle und rein in die Gicht. Totales und absolutes Klitschnasswerden inklusive. Das Wasser prasselt so auf einen ein, dass man die Augen nicht offenhalten kann und nicht weiß, wo rechts und links ist - und dazu tanzt das Boot auf den tosenden Wassermassen. Naja - und leider musste ich feststellen, dass die Regenjacke, die ich letztes Jahr in Chile erstanden habe wohl doch keine Regenjacke ist... Aber meine Hose blieb weinigstens trocken. Da hat sich der Ingo aus ner großen Mülltüte ne schöne wasserdichte Überhose improvisiert.

  

Samstag, 02.08.2014

Surfen in der Puna

Wer weiß eigentlich, das Hongkong schon einmal eine Goldmedaille bei olympischen Sommerspielen gewonnen hat? Und dann auch noch in einer amerikanischen Domäne und in Amerika. Lee Lai Shan gewann 1996 in Atlanta im Windsurfen... Um das zu erfahren, musste ich mich erst in die argentinische Puna begeben.

Für den vorletzten Tag meines Aufenthaltes in Salta hatte ich einen Tagesausflug nach Cachi gebucht. Und es sollte wahrlich ein großer Tag werden.

Cachi, ein kleines Dorf in der östlichen Andenkordilliere liegt "nur" 160km von Salta entfernt und doch durchfährt man auf dieser Strecke die unterschiedlichsten Landschaften. Zunächst geht es durch fruchtbares Acker- und Weideland (dort wachsen meine Steaks). Darauf folgen die Yungas, die üppigen Bergregenwälder an den Ostabdachungen der Kordillieren. Dann windet sich die Straße in langen und schwindelerregende Serpentinen durch beeindruckende Berglandschaften empor zur Puna, der Hochebene in einer Höhe von 3000-4000m (vergleichbar mit dem Altiplano in Chile). Nachdem wir mit etwa 3500m den höchsten Punkt der Strecke erreicht haben, erstrecken sich riesige, weite Grasebenen vor uns, teilweise durchsetzt mit den für diese Region typischen Kakteen. Und endlich erreichen wir Cachi, ein kleines Dorf "am Ende der Welt" aber am Fuße des gleichnamigen Vulkans (6720m).

Unserer Ausflugsgesellschaft war diesmal sehr international aufgestellt. Neben den üblichen Argentiniern waren auch Mexiko, Holland, die Schweiz und eben Hongkong an Board. Ich kam ziemlich schnell mit Dominic aus Zürich (Weltreise) und Kit aus Hongkong ins Gespräch. Kit macht wieder die 5 in 2 Tour (siehe Humahuaca) und wird im Anschluss nach Melbourne umziehen (mit permanent Visa - Neid ???) Mit ihm habe ich mich dann am Abend noch zum Essen verabredet um die entsprechenden Wissenslücken zu schließen. Wie sagt man so schön - Reisen bildet...

 

 

Samstag, 02.08.2014

Was zum Lesen...

Wenn ich reise, versuche ich eigentlich immer was Landestypisches zum Lesen im Gepäck zu haben…

Eine sehr gute Wahl habe ich mit meiner diesjährigen Literaturauswahl getroffen und kann sie auf diesem Wege nur weiterempfehlen.

Einer der bekanntesten und populärsten Autoren Argentinien ist Osvaldo Soriano.

http://de.wikipedia.org/wiki/Osvaldo_Soriano

Von ihm habe ich zwei Werke im Gepäck. "Das Autogramm" (in der DDR als "Das Winterquartier" erschienen) thematisiert die Schrecken der Militärdiktatur, indem ein Tangosänger und ein Boxer, beide im Spätherbst ihrer Kariere, während eines Engagement in einer argentinischen Kleinstadt die Willkür des Regimes erfahren…

Der zweite Roman hingegen ("Der Koffer oder Die Revolution der Gorillas") ist etwas skurril aber (oder deswegen) unbedingt empfehlenswert. Zwei entwurzelte Argentinier werden während des Konflikts um die Falkland-Inseln von "pseudokommunistischen Revolutionären" instrumentalisiert, um in Bongwutsi, einem britischen Vasallenstaat irgendwo in Zentralafrika eine Revolution zu starten…   Sehr abgefahren und sehr zum Lachen…

Leider sind beide Werken nicht mehr im Verlag erhältlich, nur noch antiquarisch. Ich habe sie bei Amazon für je 1 Cent erstanden (plus sagenhafte 30.000% Porto).

Donnerstag, 31.07.2014

Quebrada de Humahuaca

Quebrada heisst so viel wie Tal oder Einschnitt. Die Quebrada de Humahuaca ist das ca. 150km Flusstal des Rio Grande, indem die Nationalstraße 9 zur bolivianischen Grenze verläuft. Gerahmt wird das Tal von der faszinierenden Bergwelt der Anden. Entlang der Strecke findet man nette Bergdörfer, wie Purmamarca mit dem Cierro de los siete Colores (Berg der 7 Farben), Tilcara mit einer archäologischen Inka-Stätte und beeindruckenden Kakteenfeldern sowie Humahuaca.

Die Route ist sehr schön und touristisch mehr als erschlossen. In jedem Dorf gibt es riesige Kunstmärkte mit sicherlich interessanten Dingen, aber auch dem ganzen Plunder... Naja, bei der Vielzahl an Touristen, die jeden Tag mit den Tourbussen dorthin gekarrt werden kein Wunder. Aber was soll ich klagen - ich bin ja einer von denen.

In Humahuaca wird dann den Touristengruppen zur Mittagszeit von einheimischen "Guides", die über den Touranbieter am Ortseingang in den Bus steigen, das schöne Dorf gezeigt (10min) um sie anschließend geschlossen in eines der überteuerten Lokale zu lotsen. Ich habe mir zusammen mit Ester und Kevin auf eigene Faust ein nettes Lokal gesucht und wir haben gut, ganz zwanglos und für die Hälfte des Geldes gespeist. Ester und Kevin sind übrigens nur Nicknames des malaiischen Pärchen chinesischer Abstammung, die sich beide auf ihrem zweimonatigen Trip durch fünf südamerikanische Länder zugelegt haben, weil ihre wirklichen Namen niemand aussprechen kann... Vielleicht sollte ich mich für die restliche Zeit hier Jose nennen - Ingo kann hier nämlich auch niemand aussprechen. Und geschrieben sehe ich immer aus wie Jugo - und dass heißt "Saft" !!! Danke liebe Eltern :)

 

Donnerstag, 31.07.2014

La Linda

Salta wird von den Argentiniern gern als "Die Hübsche" beschrieben. Und das ist nicht übertrieben. Gerahmt von grünen Bergen präsentiert sich die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, trotz der 500.000 Einwohner, im Zentrum doch angenehm klein und übersichtlich. Die zentrale Plaza glänzt durch beeindruckende Kolonialarchitektur. Vor allem die Kathedrale beeindruckt sowohl von außen als auch in der Ausgestaltung. Ich habe das Glück, ein Hotelzimmer genau an und mit Blick auf die Plaza gefunden zu haben und kann den Anblick aus dem Fenster heraus genießen - allerdings auch bei all dem Lärm, den eine südamerikanische Stadt mit eben diesem Verkehr so mit sich bringt.

Über allem thront der Hausberg, der San Bernardo, auf den man mit einer Seilbahn fahren und den tollen Ausblick auf die Stadt genießen kann. Empfohlen wird die Sundowner-Tour. Zu schade nur, dass die letzte Bahn bereits 19Uhr den Berg wieder verlässt und somit weit vor Sonnenuntergang. ich werde es dann einfach mal mit der aufgehenden Sonne im Rücken versuchen...

Der weltberühmte Tren a las nubles (der Zug in die Wolken), der einen von Salta aus in 16 Stunden bis San Antonio de los Corbres, in eine Höhe von 4200m und wieder zurück bringt, fährt leider nicht. Der hat immer mal wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Vor ein paar Tagen mussten erst wieder 400 Passagiere evakuiert werden, weil es unterwegs technische Probleme gab. Außerdem ist der schw...teuer.

In Salta habe ich jetzt für 4 Nächte mein Basiscamp für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung aufgeschlagen. Und werde dann... nicht mehr Bus fahren!!! Ja, der Nachtbus von La Rioja war mein letzter. Ab jetzt wird nur noch geflogen. Ein hoch auf die Dekadenz! (Ne, die Entfernungen werden jetzt einfach zu groß und die Zeit zu knapp...)

Zum Schluss noch etwas zum Sicherheitsproblem: Bisher hatte ich wirklich keine Probleme oder Situationen, in denen ich mich unsicher gefühlt habe und hoffe, das bleibt auch so. Sicher gehört etwas Sensibilität und das Befolgen der allgemeingültigen Regeln dazu, die auch bei uns gelten. Allerdings scheint mir die Sicherheit auch sehr teuer erkauft. Gerade hier ist wohl die Polizei der größte Arbeitgeber der Stadt. Im Zentrum stehen bestimmt alle 100m Mitglieder der bewaffneten Organe... Hm...

(oh Gott, ich schreib immer zuviel...)

     

Dienstag, 29.07.2014

Talampaya

Der Tag begann früh. 5:45 klingelte der Wecker. Sachen packen, Zimmer räumen, ab ins Taxi zum Busbahnhof. Dort blieb noch Zeit für nen Kaffee und dann ging es mit dem runtergeranzten Bus auf die 3stündige Fahrt zum Park. Ich hatte nen schönen Platz oben/ vorn und konnte nach Sonnenaufgang die tolle Bergkulisse in der Halbwüstenlandschaft durch die grissene Frontscheibe genießen. Gegen halb 11 war ich am Park, lief den letzten halben Kilometer zum Eingang, zahlte meinen Eintritt und buchte ne 3-stündige Tour. Mit dem Kleinbus ging es dann in mehreren Stops durch die Canon-Landschaft mit leuchtend roten und wie geschliffen wirkenden Felswänden, die Höhen von bis zu 180m erreichen. Geologisch ist das Gebiet (der Park erstreckt sich über 2000km²) vor über 250 Mio. Jahren (im Perm) geformt worden. Das Gebiet gilt als wahrer Dinopark. Ich habe jedenfalls keine der Riesenechsen in freier Wildbahn entdecken können - "nur" ein par Emu's und Kondore, die in der Thermik des Canons ihre Runden zogen.

Zur vereinbarten Zeit war ich dann wieder am Treffpunkt am Highway und musste nur 20min warten, bis der Bus kam. Ein Platz war allerdings nicht mehr frei und so durfte ich auf der Treppe mitfahren. Aber was soll's. Ich kam wohlbehalten und völlig euphorisiert aufgrund der Eindrücke halb 8 am Busbahnhof an, schnappte mir ein Taxi, holte meine Sachen aus der Pension und saß 9Uhr wohlbehalten im Nachtbus nach Salta. Uff - der Tag hatte es in sich und hat sich doch absolut gelohnt.

       

Dienstag, 29.07.2014

La Rioja

Nach einer sehr schlechten Nacht im Bus kam ich müde und total erfroren im Morgengrauen in La Rioja, rund 700km nördlich von Mendoza, an. Der Bus überzeuge vor allem durch seine gut funktionierende Klimaanlage im Sommermodus. Nicht so sehr überzeugten mich einige skurrile Mitfahrer, so dass meine zweite Sorge (neben dem Nichterfrieren) meinen Wertsachen galt. La Rioja empfing mich im Morgenrot und mit Temperaturen um den Gefrierpunkt (gefühlt weit darunter).

Warum ausgerechnet La Rioja - die Hauptstadt einer Provinz, die sich durch sehr dünne Besiedlung und trockenes Halbwüstenklima auszeichnet? In der Nähe - naja genauer gesagt rund 250km entfernt - befinden sich 2 Nationalparks, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören - Ischigualasto und Talampaya. Diese zu erreichen ist jedoch ohne Auto nicht so einfach. Also sieht man zu, dass man mit dem Bus nach San Juan oder La Rioja (Vorteil: halber Weg nach Salta) kommt und von dort ne Tour bucht.

Nach dem ich mein sehr schönes (und teures) Zimmer in einem B&B bezogen hatte, machte ich mich auf den Weg, eine geeignete Tour für den nächsten Tag zu suchen. Mein Zeitbudget war gering - ich hatte bereits ein Ticket für den 9Uhr Nachtbus nach Salta am nächsten Abend.

Als ich das Reisebüro betrat, staunte ich nicht schlecht - Tour klar, aber: Fahrt hin und zurück 65€, wenn sich eine Gruppe findet. Aber es gab keine Gruppe, nur mich - also Fahrt 180€ plus Eintritt in Talampaya 8€ plus Tour im Park 25€ plus Eintritt und Tour im Valle la luna (Ischigualasto) 18€.... Schluck... Das sprengte jetzt etwas meine finanziellen Vorstellungen.

Nachdem ich das Desaster meinen beiden Vermieterinnen Graciela und Mercedes beichtete, setzten die beiden reizenden Damen alles in Bewegung, um doch noch eine Lösung zu finden. Nach anderhalb Stunden telefonieren stand fest: Ich fahre mit dem colectivo (nem Regionalbus) der Firma Facundo in Richtung La Union. Der Bus passiert auf dem Weg dorthin den Talampaya NP. Am Eingang des Nationalparks, ca. 60km vor La Union, lasse ich mich einfach absetzten und spreche mit dem Fahrer ab, das er mich bei der Rückfahrt gegen 16Uhr wieder einsammelt. Eine zugegeben abenteuerliche Variante, denn sollte das mit dem Bus zurück nicht klappen, hänge ich dort fest... Da mich die Variante und der Park reizt setzte ich mich erneut ins Taxi, fuhr zum Busbahnhof und kaufte mir die Tickets für 25€. Nur das Valle la luna (Ischigualastro) war so nicht drin. Aber wenn ich mich recht erinnere, hatte ich schon 2 Mondtäler (bei Swakopmund und bei San Pedro de Atacama).

La Rioja selbst ist ein niedliches Städtchen mit netten Häusern, der obligatorischen Plaza und aufgeschlossenen Leuten (meine Taxis"gespräche" werde ich nicht vergessen). Mittlerweile gebe ich auch meine Nationalität freimütig zu und ernte Anerkennung, Wertschätzung und große Hilfsbereitschaft. Die Zeit heilt alle Wunden.

Freitag, 25.07.2014

Alta Montana

Heute war es nun so weit. Endlich ging es in die Berge. Und wer es bisher noch nicht wusste - ich liebe Berge (ganz besonders mit Schnee - weiß und viel - sowie mit Himmel - sehr blau). Vor allem die Anden haben es mir seit Chile wirklich sehr nachhaltig angetan. So ging es also noch vor dem Morgengrauen mit dem Tourbus auf die RN7 die Mendoza mit Santiago de Chile verbindet. Die Grenze verläuft auf 3080m Höhe im Tunel de Christo Redentor. Auf dem sehr eindrucksvollen Weg dorthin passiert man einige der höchsten Andenberge. Der höchste überhaupt (in den Anden und außerhalb Asiens), der Aconcagua, präsentierte sich dabei in seiner vollen Schönheit. Auf dem Weg dorthin passierten wir Uspallata, einen kleinen entspannten Ort (im Sommer bestimmt toll) in der Hochebene zwischen den Voranden und dem Hauptkamm sowie das Skigebiet, den Hausberg der Mendocinos - Los Penitentes. Das "Skigebiet" litt jedoch unter akutem Schneemangel. Zumindest konnte man für doch recht viel Geld (10€) den Uraltsessellift einmal hoch und wieder runter fahren. Na den Spaß habe ich mit gegönnt, schon wegen der guten Aussicht. Die Temperaturen bewegten sich im Übrigen um die -7Grad. Mucho frio... Später hatte ich dann auch noch nen Grund zum schmunzeln. Die Gauchos sind ganz verrückt auf Rodeln. Überall in Mendoza kann man sich so komische Plasterodel ausleihen, wo man sich draufkniet oder -setzt... Jedenfalls läuft hier jeder mit nem geliehenen "Ganzkörperkondom", Schneeboots (mit denen man ständig auf der ... liegt) und so nem Rodeldings rum. Und kommt dann der auch noch so kleinste "Hang" mit erkennbarem Gefälle und durchgehender Schneedecke, wird gerodelt was das Zeug hält. Übrigens - ne tolle Reiseempfehlung für Bergjunkies (wie mich): Einmal mit dem Mietwagen den Andenhauptkamm überqueren - von Valparaiso (oder Vinar del mar) in Chile nach Mendoza. Das Ganze geht auch mit schmalem Geldbeutel, ganz bequem im Reisebus... Tolle Aussicht ist auf jeden Fall inklusive!

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